Einer sitzt neben Gott im Boot – stell dir doch mal vor, dass Du das bist. Ich schreib es aus meiner Sicht als „ich“, aber das kannst auch du sein.
Jesus legt seine Hand auf meine Schulter. Das tut mir gut. Ich fühle mich wie von weit weg nach Hause gekommen. Ich denke, dass ich seufzen will oder mit Erklärungen starten, dass ich weis, dass das alles nicht „richtig“ ist – zu wenig Gebet, zu wenig dies und das …
Aber als Jesus das merkt, macht er mir durch eine Geste klar, dass ich das jetzt nicht alles sagen brauch. Ich darf einfach mit ihm da sein und ich erkenne, dass er einfach für mich sein will. Meinem Kopf fallen noch weitere Dinge ein, die mich für „schuldig“ erklären.
Ich sehe mich plötzlich in einen Gerichtssaal versetzt. Meine Selbstanklagepunkte werden angehört. Der Richter schüttelt mit dem Kopf und es ist völlig klar: „Schuldig!“ Eigentlich eine klare Sache. Aber irgendwas läuft da zwischen Jesus und dem Richter: Jesus zeigt nach rechts, wo ein Vorhang hängt. Der Richter nickt und fasst sich irgendwie wie gelangweilt oder genervt an die Stirn. Er ist genervt. Was hinter dem Vorhang ist, macht seinen Schuldspruch überfüssig. Er braucht es gar nicht erst auszusprechen. Jesus wird es sowieso unwirksam machen mit dem, was hinter dem Vorhang ist.
Ohne hinzugehen weiß ich, was dahinter ist: Dort liegt sein Kreuz, dicke Balken, an denen er angenagelt wurde und starb. Es liegt auf dem Boden und sieht ur-alt aus, fast am zerfallen stellenweise und die Balken verschoben und nicht mehr rechtwinklig.
Vor dem Kreuz fließt ein schmaler, eingefasster Strom. Er ist nur so breit wie ein Bach, aber es ist ein Strom, der schnell fließt. Er ist nicht aus Wasser. Er ist ganz rot. Er ist aus Blut. Es ist das Blut von Jesus. Als ich den Strom fließen sehe, höre ich sein Rauschen und Tosen. Ich bin an dem Strom und sage meine Anklagen gegen mich selber. Aber das Rauschen des Flusses ist lauter und verschluckt meine Selbstanklage.
Ich werde lauter, weil ich der Meinung bin, dass ich doch wirklich schuldig bin. Ich rufe laut meine Selbstanklage. Aber das Rauschen des Blutes in dem Strom verschluckt meine Worte. Da kommt hinter meinem Rücken ein Teufel hervor. Er kann es nicht ertragen, dass ich meine Anklagen nicht mehr höre und schreit wütend meine Schuld heraus und klagt mich an und meint, dass das ja wohl eingesehen werden muss. Aber sein Geschrei wird einfach verschluckt. Die Anklage findet kein Gehör – es ist, als wäre nichts gesagt worden. Das Blut strömt fröhlich und siegessicher dahin und singt ein zartes aber kraftvolles Lied:
„Einer war da,
gerecht und gut war einer
und dieser goss mich aus -
ich bin sein echtes Blut.
Damit ich fließen konnte
und singen kann dein Rettungslied
musste man ihn feste schlagen,
durchbohren tief Fuß, Hand und Herz.
Jetzt ruf ich laut
- und niemand kann es stoppen -
ich ruf es laut:
‘mit mir ist deine Schuld bezahlt!’
Stimm mit mir ein:
‘Gerechtigkeit, Annahme und Vergebung!’
Ich bin dein Erbenwasser,
denn wer in mich hineintaucht,
wird Bruder dieses Königs, mit Ihm Erbe
und seinem Vater Kind.“
Ich sitze eigentlich noch im Gerichtssaal, gleichzeitig aber auch an dem Strom.
Und jetzt merke ich, dass ich eins tun muss:
ich steige in den Strom und lege mich der Länge nach hinein.
Das ist mein Bad.
Und ich sehe, wie der Saal der Anklage wie weggeschleudert wird.
Ich bin frei. Ich gehöre ganz Ihm.
Wir sitzen wieder im Boot. Seine Hand ist noch auf meiner Schulter.
Ich wende mich zu ihm und sage: „Danke!“