Ich war so infiziert von trennenden Gedanken, dass ich mich spontan nicht neben Ihn ins Boot setzte, sondern ihm gegenüber in die Spitze – den entferntesten Platz, auch wenn es in dem Ruderboot nur ca 1,50 m ist.
Gott macht Ansätze, etwas zu sagen, bricht dann aber wieder ab. Ich merke, dass er am suchen ist um die Sache auf den Punkt zu bringen. Gedankenfetzen kriege ich mit:
- Anklage, die seine Kinder abhält
- wie kann Gott das Problem lösen, dass seine Kinder ihn …
- …
Dann will ich nicht mehr da vorne sitzen und wechsle den Platz und setze mich an Seine Seite. Er schaukelt ein bischen hin zu mir und stubst mich an. Er ist wie “verlegen”, so, als fühlte er sich unsicher und als wüsste er nicht, was er jetzt machen sollte. Ich wundere mich über diese zu menschliche Art und frage mich wieder, ob Er so sein kann.
Dann erklärt er mir plötzlich die Situation, so als wäre er jemand anders, der zugeschaut hat.
“In meiner Liebesgeschichte mit Dir habe ich nicht gewählt, nur der allwissende Gott zu sein, der von nichts mehr überrascht ist und jede Zuwendung oder Abwendung von Dir schon tausend Jahre im Voraus erlebt hat und sie nun gelangweilt zur Kenntnis nimmt und Dir lediglich ein paar Plus- oder Minuspunkte einträgt. Obwohl ich Dich kenne bis zu zukünftigen Gedanken, bin ich gleichzeitig ehrlich überrascht von Dir und schaue Dir zu mit Neugier. Wenn Du Zeit wählst, um mich zu treffen, dann habe ich ein Date. Es ist so, als müsste man mich im Himmel dann suchen, weil ich gerade nicht da bin. Wenn Du mit mir zusammen bist, lerne ich Dich erst kennen. Ich bin da ganz wie Ihr. Ihr habt es von mir. Kennenlernen ist mein Entwurf, ist Ausdruck meiner Art. So bin ich. Ich habe es für Euch gemacht – und für Dich und mich.
Du weißt nicht, was Du mir das letzte mal gesagt hast, als Du mit mir zusammen warst. Aber ich weiß es sehr gut. Ich behalte den Klang Deiner Stimme und Deinen Blick in lebendiger Erinnerung. Deine Fragen höre ich sehr aufmerksam. Ich bin gespannt auf das, was Du mir sagst. Wenn Du mich umarmst in Deiner Vorstellung, spüre ich Deine Hände. Wenn Du Dich bedankst, schaue ich Dich an und freue mich, dass ich Dir einen Gefallen tun oder eine Freude bereiten konnte.
Herr, ich wusste nicht, dass Du so bist. Es freut mich, das von Dir zu hören. Ich möchte Dich auch kennen lernen. Ich geh jetzt ins Bett und putze mir die Zähne, wo Du dabei bist. Und die Treppe rauf will ich noch mit Dir reden und beim Einschlafen was Nettes zu Dir sagen …